Reisebericht vom 23. bis 26. Februar 2012

Unser Minikonvoi startete am Donnerstag, den 23.02.2012, gegen 18:00 Uhr Richtung Ungarn. An Bord unseres Spielmobils waren Claudia, Rolf und Frank, im PKW saßen Linda, Martin und ich. Bis zum Knotenpunkt Wels/Österreich fuhren wir gemeinsam, doch dann trennten sich unsere Wege. Das Spielmobil fuhr unsere gewohnte Strecke weiter, während der PKW die Richtung Graz einschlug, weil er einen Hänger voll Sach- und Futterspenden dabei hatte, die für das Tierheim in Barcs bestimmt waren.

Petrus hielt seine Schleusen geschlossen und die Fahrt verlief reibungslos. Leider konnten wir die schöne Strecke durch die Steiermark nicht genießen, doch die meterhohen Schneeberge zeichneten sich klar in der Dunkelheit ab.

Bereits Freitag Vormittag erreichten wir die Stadt Barcs, die geographisch direkt an der kroatischen Grenze liegt. An einem zuvor ausgemachten Parkplatz holte uns Balasz, der Leiter des Tierheims, ab und wir fuhren gemeinsam zum Tierheim. Auch diese Zufahrt geht in den Bereich schlecht bis unpassierbar, wobei sie gegenüber Siofok und Veszprem schon eine autobahnähnliche Beschaffenheit hat.

Im Tierheim angekommen wurden wir von Rex, Fanta und dem restlichen Tierheimpersonal begrüßt.

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Ok ok, die Begrüßung von Rex und Fanta war nicht wirklich überschwänglich; es war Siesta angesagt.

Das Personal bereitete gerade das Fressen für die Hunde zu: Es gab Huhn, man konnte es am Geruch erkennen. Auf einer eher behelfsmäßig eingerichteten Kochstelle wurde es gegart.

03 Spontan fiel mir eine Gulaschkanone ein, die mit Sicherheit eine große Erleichterung für das Personal wäre.

Wir parkten das Auto im Hof und zeigten Balasz den Inhalt des Hängers. Er konnte es gar nicht fassen, dass alle Spenden für seine Hunde sein sollten. Er hat sich riesig gefreut, da er so gut wie keine Unterstützung von außerhalb bekommt; wahrscheinlich wegen der ungünstigen geographischen lage. Mehr oder weniger auf sich allein gestellt kämpft er täglich um das Überleben seiner Hunde. Es fehlt an Allem.

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Balazs und eine seiner Mitarbeiterinnen kümmerten sich fürsorglich um uns. Sie zeigten uns alles und stellten uns jeden Hund vor. Obwohl die Tierschützer nicht deutsch und wir nicht ungarisch sprechen, konnten wir uns trotzdem verständigen. Ganz komplizierte Sachverhalte wurden über Krizstina telefonisch geklärt.

Das Tierheim war in seinem früheren Leben ein Schweinestall, der nun für die Unterbringung der Hunde umgebaut wurde. Für mich hatte es vom Aufbau her durchaus den Hauch eines deutschen Tierheimes, wenn man von dem Schienenstrang und den Futterrinnen im Gang absieht. 04
05 Die Zwinger befinden sich innerhalb des Gebäudes und sind alle mit – teilweise selbst zusammengeschusterten – Hundehütten ausgestattet.
Durch eine Öffnung in der Wand bzw. eine Tür können die Hunde ins Freie gelangen. Dort steht ihnen für ungarische Verhältnisse ein relativ großer Auslauf zur Verfügung. 06

Obwohl es eigentlich ein kleines Tierheim ist, beherbergt es an die 80 Hunde. Wie überall herrscht auch hier Not und Krankheit.

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Und die Blicke der Hunde sind überall gleich:

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Bitte holt uns hier raus !!!

Auch in Barcs ticken die Uhren schnell und die Zeit verging wie im Flug. Wir wollten noch rechtzeitig im Tierheim Siofok sein und mussten deshalb unseren Besuch dort beendeten. Noch ein letztes Foto aus dem Auto heraus und das Tierheim lag hinter uns.

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Kurz nach 16:00 Uhr kamen wir in Siofok an; leider zu spät. Außer Rolf, der wartend im Spielmobil saß, trafen wir niemand mehr an. Claudia und Frank waren irgendwo „am Set“, doch niemand wusste, wo. Also leisteten wir Rolf Gesellschaft und warteten gemeinsam. Irgendwann kam ein Anruf: Wir sind in Veszprem !

Also fuhr unser Minikonvoi nach Veszprem, um den Rest der Truppe zu treffen. Nach einer misslungenen Suchaktion fuhren wir jedoch ohne sie in die Auffangstation, denn schließlich mussten die Spenden für Zsuzsa noch abgeladen werden.

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Kurz nach unserer Ankunft kamen auch Claudia und Frank wieder dazu. Mittlerweile war es schon dunkel und nach kurzer Absprache über das „Abendprogramm“ eilten wir schnell in unsere Pension, um uns frisch zu machen, weil Gabi in einem netten Lokal in Veszprem einen Tisch für uns reserviert hatte.

Wie ließen in einer gemütlichen Runde den Abend ausklingen, doch viel war anicht mehr uns los; wir waren alle hoffnungslos übermüdet.

Samstag morgen wurde ich von einem überaus angenehmen Duft wach (wie in der Fernsehwerbung). Ich folgte diesem Geruch, dessen Ursprung ich in der Küche fand. Dort vernahm ich auch eine mit dem Duft zusammenhängende Akustik: Es gab frischen Kaffe !!! Rolf saß schon in der Küche und wartete auf das fertige Produkt. Na ja, gut Ding will Weile haben. Nach einer Produktionszeit von 45 Minuten konnten wir dann den lecker Kaffee genießen.

Nach und nach fand sich auch die restliche Gesellschaft in der Küche ein, mit prall gefülltem Terminkalender hatten wir jedoch nicht viel Zeit für eine gemütliche Kaffeerunde. Wir räumten also unser Zimmer und statteten dem Supermarkt Tesco noch kurz einen Besuch ab, um Proviant für die Rückfahrt zu kaufen. Claudia und Frank mussten schon um 9:30 Uhr in Siofok sein und hatten sich bereits am Abend zuvor von den „Veszpremern“ verabschiedet. Der Rest der Truppe fuhr direkt in die Auffangstation.

Rolf und Martin machten sich dort sofort an die Arbeit und bauten die Boxen in unserem Spielmobil auf, was sich als besonders schwierig erwies, da wir dieses Mal viele großen Hunde hatten, die nach Deutschland mitfahren wollten. Doch wie schon so oft, haben sie ein stabiles kleines Bauwerk errichtet; natürlich alles unter dem Aspekt der Ladungssicherung.

Kurz nach Mittag kam die Zeit des Abschiednehmens.. wie immer traurige Momente:

Abschied von…

16zoltaZolta 17lunaLuna 18selimSelim
19fiftyundzengoFifty und Zengö 20hellaHella 21sirupSirup
22biborBibor 23svejkSvejk 24pletykaPletyka

Nachdem die Hunde „verstaut“ waren, ging es auf nach Siofok, Dort wartete bereits das komplette Tierheimpersonal, um beim Einladen der Hunde zu helfen. 17 Hunde durften in unser Spielmobil einsteigen und mit ca. einer Stunde Verspätung hieß es auch für uns: Abschied nehmen.

Es war wunderbares Wetter; die besten Voraussetzungen für eine lange Autofahrt. Die Hunde waren ruhig, es wurde kaum gebellt, auch nicht, wenn der Wagen stand. Nur Selim, der sprechende Husky, versuchte es ab und zu mal mit einer Kommunikation.

Mit ca. 45 Minuten Verspätung tuckerten wir am ersten Treffpunkt „Bayerischer Wald“ ein, wo Conny Raumer schon mit frischem Kaffee auf uns wartete. Dort verließen neun Hunde unser Spielmobil. Doppelt gesichert an Halsband und Julius-K9-Geschirr wurden sie von ihren neuen Familien in die Arme geschlossen:

25buksiBuksi 26buksiBuksi 27bogyoBogyo
28manfredManfred 29hellaHella 30sirupSirup
31mackoMacko 32fiftyFifty monika1Monika (hier noch in Ungarn)

Weil Macko viel zu ängstlich und scheu ist, wollten wir ihm den Stress ersparen und haben ihn mit Box ins Auto seiner neuen Familie getragen. In seinem neuen Heim kann er sich in Ruhe auf die neue Situation einstellen. Von Monika habe ich leider keine Bilder, da meine Kamera noch nicht aufnahmebereit war.

Weiter ging die Fahrt; nächster Stopp: Jura.. natürlich wieder mit Verspätung, denn Verzögerungen zu Beginn der Fahrt lassen sich kaum wieder auffangen.

33bibor Dort verließ Bibor, einer der Welpen, die das Licht der Welt unter einer Brücke erblickt hatte, unser Spielmobil. Auch sie wurde freudig erwartet und liebevoll in die Arme geschlossen.

Als nächstes stand Würzburg auf dem Fahrplan. Hier wurde die süße Töpi ungeduldig erwartet. Sie ging auf ihr neues Frauchen zu, als habe es kein Leben vorher gegeben.

34topi

Vorletzter Stopp Weiskirchen: Luna und Pumukli durften hier aussteigen:

35pumukliPumukli: erst mal strecken ! 36lunaLuna: ein zaghaftes Küsschen: Ich mag Dich !

Endspurt: nur noch 1 – 2 Stündchen und wir sind wieder zu Hause. Dann haben endlich alle Hunde die letzte Hürde überwunden und können in ein neues Leben starten.

Ein starkes Team erwartete uns bereits in Siegen. Ela, Susan, Dani, Tina und Jörg hatten alles für unsere Ankunft vorbereitet. Es flossen viele Tränen.. Tränen des Glücks und der Erleichterung:

37naloNalo 38zengoZengö 39zoltaZolta
40selimSelim 41dezyDezy 42lucaLuca
43annaAnna 44lunaLuna 45rebekaRebeka
46pocokPocok 47pletykaPletyka 48svejkSvejk
49liviaLivia 50bellaBella 51sisiSisi

Diese Fahrt war von Beginn an anders.. ich würde sagen chaotischer.. nicht so wirklich planbar für uns, da wir von einem Produktionsteam von Film und Fernsehen begleitet wurden. Claudia und Frank waren überwiegend mit Dreharbeiten beschäftigt, die teilweise an Orten durchgeführt wurden, deren Existenz wir uns lieber nicht wünschen. Dabei wurden sie mit Situationen konfrontiert, die emotional selbst für stärkste Gemüter kaum zu ertragen waren. Meisten wussten wir nicht, wo sie sich gerade aufhalten; auch telefonischer Kontakt war eher selten. Sie werden noch von ihren Erlebnissen berichten, wen sie ihre Eindrücke verarbeitet haben, falls dies überhaupt möglich ist.

Bitte hier klicken

Den Sendetermin geben wir rechtzeitig auf unserer HP bekannt.

27 Hunde und eine Katze durften Ungarn verlassen, weil sie einen warmen Platz auf der Decke gefunden haben. Buksi 1., Hella, Zolta, Manfred, Monika, Töpi, Selim, Macko, Bogyo, Fifty, Sirup, Anna und Buksi 2. bekamen bei ihrer Suche die Hilfe von Conny Raumer, Hundehilfe Marika e.V., Pumukli schaffte es mit der Hilfe von Silke Anders, Tierschutzverein Heilbronn e.V., Svejk wurde von Barbara Hellekes, Menschen für Fellnasen e.V. unterstützt und alle anderen bekamen Hilfestellung durch uns.

Gemessen an dem großen Leid der Tiere weltweit ist es weniger als ein Tropfen auf den heißen Stein, doch aus der sich jedes einzelnen Tieres haben wir das komplette Weltbild verändert.

Die nächste Fahrt  ist schon in Planung und wird in der ersten Aprilhälfte stattfinden. Wir hoffen, dass wir wieder viele Hunde mitnehmen dürfen, und ich bin mir sicher, dass unsere Boxenarchitekten gerne ein kleines Bauwerk in unserem Spielmobil errichten.

Eure Heidi

 

1 comment for “Reisebericht vom 23. bis 26. Februar 2012

  1. Marion Schörling
    21. April 2012 at 12:46

    DANK an Euch wunderbaren Menschen!! Ich habe zufällig bei RTL die Sendung gesehen. Ich werde euch auch unterstützen. Habe auch 4 span. Tierheimhunde .
    Ihr seid wunderbar und ein großes Geschenk für die Hunde. Hoffentlich könnt Ihr noch viele retten.
    Marion Sch.

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